Wasser ist die Grundlage des menschlichen Lebens. Ohne Essen zu überleben, ist zumindest noch einige Wochen möglich, ohne Wasser sind es nur wenige Tage. Wenn wir in Deutschland Durst haben, können wir in die Küche gehen und direkt aus dem Wasserhahn trinken. Meist kann man zwischen mehreren Flüssen oder Seen wählen, wenn man draußen mit Freunden ein gemütliches Bier trinken will, während das Basilikum in der Wohnung nur vertrocknet, weil man zu faul zum Gießen ist oder es vergisst. Sich im Alltag über Wasser keine Gedanken mach en zu müssen, ist Luxus. Gleichzeitig sieht der ehemals viertgrößte See der Erde, der Aralsee, von oben nur noch aus wie eine Pfütze und in Norditalien herrschen Autowaschverbote zur Wassereinsparung, während die Behörden bei den Gemeinden des Gardasees um Wasser betteln müssen.
Dass der Klimawandel dabei nicht unbedingt die entscheidende Rolle spielt, ist zwar eine unangenehme Wahrheit, die es unmöglich macht, die Schuld solcher Tragödien vermeintlich global zu verteilen, genauso aber liegt darin die Möglichkeit, derartiges zukünftig auch unabhängig von der Untätigkeit anderer verhindern zu können.
Natürlich lässt sich in der Regel nicht ein einziger Schuldiger, eine einzige Fehlentscheidung finden. Trotzdem können fast immer konkrete, im Nachhinein verhinderbare Gründe für den Wassermangel benannt werden. Der Aralsee ist der Planwirtschaft der Sowjetunion zum Opfer gefallen: in den 60er Jahren entstanden unter Stalin riesige Baumwollplantagen in Zentralasien. Ein Kilo Baumwolle benötigt (je nach Aridität des Anbaugebiets) etwa 11.000 Liter Wasser, doppelt so viel wie ein Kilo Schweinefleisch. Bewässert wurden die Plantagen, indem einer der Zuflüsse des Aralsees umgeleitet wurde. Der See, der keinen Abfluss hat und sich durch seine riesige Fläche allein durch die Verdunstung einigermaßen im Gleichgewicht halten konnte, verschwand rasant (siehe Abb. 1). Heute existiert nur noch der nördlichere Teil in Kasachstan, der durch einen Staudamm erhalten werden konnte. Im südlichen Teil gibt es nun nicht mehr nur kein Wasser, der mit Pestiziden versetzte Salzstaub am ehemaligen Seegrund macht der Gesundheit der verbliebenen Bewohner zu schaffen. Speiseröhrenkrebs ist in der Region etwa 25-mal häufiger als im weltweiten Durchschnitt und als wäre das noch nicht genug, erkranken dort dank eines ehemaligen Testgeländes für Biowaffen auf einer damaligen Insel noch heute Menschen an der Pest.
Quellen
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• Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Wasser- und Abwasserwirtschaft in Indien (2020)
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